(+43) 01 - 236 55 34 beratung@zara.or.at

FAQ


1. Was ist Hass im Netz?

2. Warum braucht es die Beratungsstelle #GegenHassimNetz?

3. Wie hilft die Beratungsstelle #GegenHassimNetz?

4. Wer kann sich an die Beratungsstelle #GegenHassimNetz wenden?

5. Wie kann ich die Beratungsstelle #GegenHassimNetz kontaktieren?

6. Wer betreibt die Beratungsstelle #GegenHassimNetz?

7. Was ist Diskriminierung?

8. Aufgrund welcher gesetzlichen Grundlage kann Hass im Netz geahndet werden?

9. Was kann ich selbst tun, um die Situation zu verbessern?


1. Was ist Hass im Netz?

Hass im Netz liegt dann vor, wenn sich ein online verbreiteter Inhalt abwertend und/oder diskriminierend auf eine Person oder eine bestimmte Gruppe von Personen bezieht. Diese Inhalte können etwa rassistisch, sexistisch, antisemitisch, homophob oder gewaltverherrlichend sein. Oft erfüllen sie einen rechtlichen Straftatbestand und sind somit illegal (siehe auch Punkt 8). Zu diesem Zweck werden neben E-Mails und Webseiten vor allem soziale Netzwerke missbraucht.

Hass im Netz kann sich auf unterschiedliche Weise manifestieren: Manche Inhalte diskriminieren pauschal ganze Bevölkerungsgruppen – etwa aufgrund ihres Geschlechts, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer sexueller Orientierung. Dies kann etwa über das Posten hasserfüllter Botschaften oder dem bewussten Verbreiten von Falschinformationen und „Fake News“, die gezielt Unwahrheiten über eine bestimmte Personengruppe in die Welt setzen, passieren.

Im Fall von Cyber Mobbing kennen sich Opfer und Täter*in häufig persönlich. Gemeint ist mit Cyber Mobbing das vorsätzliche Belästigen, Beleidigen oder Bloßstellen im Internet über einen längeren Zeitraum hinweg, sodass die Betroffenen davon erheblich beeinträchtigt werden: Lügen, die auf Facebook verbreitet werden, Beleidigungen über Whatsapp oder das Verbreiten intimer oder peinlicher Fotos auf Websites und Blogs. Seit 1. Jänner 2016 ist Cyber Mobbing ein eigener Tatbestand und kann mit einer Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden. Voraussetzung ist die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs oder die Verletzung der Ehre im Wege der Telekommunikation oder über ein Computersystem. Auch andere strafrechtliche Tatbestände wie Verhetzung oder üble Nachrede können online stattfinden.

Mehr Informationen zu den rechtlichen Hintergründen bietet die Informationsplattform CounterACT! – Aktiv gegen Hass und Hetze im Netz.
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2. Warum braucht es die Beratungsstelle #GegenHassimNetz?

Hass im Netz ist allgegenwärtig und betrifft viele User*innen – egal ob als Opfer oder als Zeug*in. Hasserfüllte Inhalte, die sich gegen einzelnen Personen oder Personengruppen richten, haben nicht nur für die Betroffenen selbst massive negative Auswirkungen. Ein hasserfüllter Online Diskurs führt darüber hinaus zu einer stark polarisierten Gesprächskultur, die sich auch offline manifestiert und nachhaltig das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben beeinträchtigt. So können etwa bewusst verbreite „Fake News“ Teile der Gesellschaft manipulieren und so eine faktenbasierte Diskussion unmöglich machen. Im schlimmsten Fall führen Falschinformationen zu gezielten Aktionen gegen die betroffene Opfergruppe – etwa wenn Flüchtlingsunterkünfte attackiert werden. Hass im Netz kann somit den sozialen Frieden gefährden.

Vielen Personen ist bewusst, dass Hass im Netz nicht in Ordnung ist. Das Wissen, dass es sich dabei oft auch um strafrechtlich relevante Tatbestände handelt – wie beispielsweise Verhetzung oder Cyber Mobbing – ist jedoch noch nicht bei allen User*innen angekommen. Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz will dieses Bewusstsein stärken und vor allem Betroffene dabei unterstützen, gegen Hass und Hetze im Netz vorzugehen.

Die Problematik von Online Hass hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. 2016 haben die von ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit dokumentierten Fälle von Online Hass und Hetze einen neuen Spitzenwert erreicht: 31 % der insgesamt 1.107 gemeldeten Fälle fielen in die Kategorie Internet.

Jede*r User*in hat allerdings auch die Möglichkeit einzugreifen und digitale Courage zu beweisen – etwa durch aktives Gegenposten bei Falschinformationen oder durch Solidaritätsbekundungen mit den Betroffenen. Gute Beispiele für digitale Courage findest du etwa auf der Informationsplattform CounterACT! – Aktiv gegen Hass und Hetze im Netz oder in der gleichnamigen Broschüre, die anhand von konkreten Fallbeispielen zeigt, wie Du selbst gegen Hass und Hetze im Netz aktiv werden kannst.
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3. Wie hilft die Beratungsstelle #GegenHassimNetz?

Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz unterstützt und berät User*innen, die von Hasspostings, Cyber Mobbing und anderen Formen von verbaler und psychischer Gewalt im Internet betroffen sind. Das niederschwellige Angebot ist kostenlos.

Nach einer Ersteinschätzung der Inhalte werden die Klient*innen von juristisch und psychosozial geschulten Berater*innen über ihre Handlungsoptionen und mögliche Gegenstrategien aufgeklärt. Außerdem erhalten sie Unterstützung bei möglichen rechtlichen und anderen Schritten sowie Informationen zu Hilfsangeboten weiterer unterstützender Einrichtungen, wie etwa der Weißer Ring oder Rat auf Draht. Die Beratungsstelle meldet darüber hinaus die entsprechenden Inhalte bei den jeweiligen IT-Unternehmen, um eine Löschung zu erwirken. Hier auf der Website kannst du dich via Chat und das Online Meldeformular an die Beratungsstelle wenden, auch per E-Mail und Telefon ist die Beratungsstelle erreichbar. Persönliche Beratungstermine sind nach vorheriger Terminvereinbarung möglich.

Betrieben wird die Beratungsstelle von erfahrenen  Mitarbeiter*innen der gemeinnützigen Organisation ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, die bereits seit 2000 eine Beratungsstelle für Opfer und Zeug*innen von Rassismus betreibt und sich von Beginn an auch mit Fällen von Hass im Netz befasst (mehr zu ZARA unter Punkt 6 .)
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4. Wer kann sich an die Beratungsstelle #GegenHassimNetz wenden?

  • Opfer von Hass und Hetze im Netz
  • Angehörige von benachteiligten Gruppen, gegen die im Netz gehetzt wird
  • Angehörige von benachteiligten Gruppen, über die Falschmeldungen, Hetze oder Verleumdungen verbreitet werden
  • Betroffene von Cyber Mobbing
  • Mitarbeiter*innen von Organisationen, die mit diesen Personengruppen arbeiten
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5. Wie kann ich die Beratungsstelle #GegenHassimNetz kontaktieren?

Telefon: +43 (01) 2365534

E-Mail: beratung@zara.or.at
Meldeformular

Chat
Facebook Messenger
Twitter

Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz ist erreichbar von:

Mo – Mi: 9.00 – 16.30 Uhr
Do: 10.00 – 18.30 Uhr
Fr: 9.00 – 15.00 Uhr

Bitte beachte, dass Beratungen ohne Dolmetscher*innen nur in deutscher und englischer Sprache stattfinden. Persönliche Termine in der Beratungsstelle sind nur nach vorheriger Vereinbarung möglich.
Die Beratung ist kostenlos.
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6. Wer betreibt die Beratungsstelle #GegenHassimNetz?

Nach einem mehrstufigen Ausschreibungsverfahren hat der Verein ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit im Sommer 2017 den Zuschlag für den Betrieb der Beratungsstelle #GegenHassimNetz im Auftrag des Bundeskanzleramts erhalten. Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz hat am 15. September 2017 ihren Betrieb aufgenommen.

Der gemeinnützige Verein ZARA setzt sich seit 1999 für Zivilcourage und eine rassismusfreie Gesellschaft in Österreich ein und bekämpft alle Formen von Rassismus. Der Tätigkeitsbereich von ZARA spannt sich dabei von der Beratung Betroffener über gesellschaftliche Sensibilisierungsarbeit bis hin zur Prävention in Form von Trainings und Workshops.

Unterstützung, Information und Empowerment der betroffenen Personen sowie die Steigerung des öffentlichen Bewusstseins für Rassismus-basierte gesellschaftliche Problematiken und deren Ursachen sind dabei oberstes Ziel.

Seit seiner Gründung werden ZARA jährlich bis zu eintausend rassistische Vorfälle gemeldet, die aber nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Fälle darstellen. Diese Vorfälle finden sowohl online als auch offline statt, wobei in den vergangenen Jahren die Zahl der Online-Fälle stark zugenommen hat.

Statistik

In dieser Tabelle sind alle Fälle berücksichtigt, die im Internet passiert sind. Das heißt, dass auch Fälle aus den Kategorien „Politik und Medien“ sowie „Rassistische Reaktionen auf Anti-Rassismus-Arbeit“, sofern sie (auch) mittels Internet übertragen wurden, beinhaltet sind.

Die ZARA Internet-Statistik (1) zeigt, dass sich die rassistischen Vorfälle, die online stattfanden, zwischen 2010 und 2016 mehr als verfünffacht haben:

Die Fallzahlen sowie eine repräsentative Auswahl der Fälle fließen in den einmal jährlich erscheinenden ein, der als einzige qualitative Datenquelle über Struktur und Ausmaß von Rassismus in ganz Österreich Auskunft gibt. Der Rassismus Report zeigt anhand von Einzelfall-Berichten, in welchem Ausmaß sich rassistische Diskriminierung durch alle Lebensbereiche zieht.

Insgesamt setzt sich ZARA mit der Beratungsstelle, dem breiten Fort- und Weiterbildungsangebot in den Bereichen Sensibilisierung, Anti-Diskriminierung und Zivilcourage sowie seiner intensiven Öffentlichkeits- und Lobbyingarbeit dafür ein, dass Rassismus in Österreich nicht salonfähig bleibt.

(1)Quelle: https://www.zara.or.at/_wp/wp-content/uploads/2017/03/ZARA_Rassismus_Report_2016_web_fin.pdf, Seite 22
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7. Was ist Diskriminierung?

In der Alltagssprache wird Diskriminierung als nicht gerechtfertigte benachteiligende Unterscheidung und Behandlung von Personen verstanden – es handelt sich somit um eine effektive Schlechterstellung (Schlechterbehandlung) ohne sachliche Rechtfertigung.

Verbotene Diskriminierungsgründe sind derzeit nach dem Österreichischen Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) und dem Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG)

  • Geschlecht (einschließlich Familienstand)
  • Alter
  • Behinderung
  • ethnischen Zugehörigkeit
  • Religion und Weltanschauung
  • sexuellen Orientierung

Daneben ist ohne sachliche Rechtfertigung jede Schlechterstellung von einzelnen Arbeitnehmer*innen oder sich in einer Minderheitenpositionbefindlichen Arbeitnehmer*innen auf Grund des „arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes“ verboten.
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8. Aufgrund welcher gesetzlichen Grundlage kann Hass im Netz geahndet werden?

Hass im Netz bezeichnet die Verbreitung von beleidigenden, diskriminierenden, verhetzenden und bedrohenden Inhalten im Internet. Zu diesem Zweck werden neben E-Mails und Websites vor allem soziale Netzwerke missbraucht. Diese Inhalte können einen Straftatbestand erfüllen – etwa Verhetzung oder üble Nachrede – und sind somit strafbar.

Folgende strafrechtliche Tatbestände können dabei zum Tragen kommen:

Beleidigung

Gefährliche Drohung

Verhetzung

Verletzung des Verbotsgesetzes

Cyber Mobbing

Cyber Stalking

Verleumdung

Üble Nachrede

Nötigung

Kreditschädigung

Erfüllt ein Inhalt einen der oben genannten Tatbestände, kommen die Rechte der Opfer zum Tragen, sobald eine Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erstattet wird.

Detaillierte Infos zur Rechtslage und den spezifischen Gesetzen findest du auf der Online Plattform CounterACT! unter dem Menüpunkt K(NO)w more!
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9. Was kann ich selbst tun, um die Situation zu verbessern?

Digitale Courage kann jede*r User*in zeigen: Aktives Gegenposten bei Falschmeldungen und „Fake News“ oder Solidarität mit den Betroffenen zeigen, dass Hassposter*innen keineswegs repräsentativ für die Online-Community sind und dass ein respektvoller und konstruktiver Dialog möglich ist. Auch User*innen, die selbst kein Statement posten wollen, können respektvollen User*innen mit Likes und Shares den Rücken stärken und ihre Unterstützung so für alle sichtbar machen.

Unabhängig vom eigenen Eingreifen ist das Melden von Hasspostings bei der Beratungsstelle #GegenHassimNetz, den Plattform-Betreiber*innen sowie den zuständigen Behörden  wichtig.

Weitere gute Beispiele für digitale Courage findest du auf der Informationsplattform CounterACT! – Aktiv gegen Hass und Hetze im Netz.

Darüber hinaus kann jede*r sowohl online als auch offline auf eine nichtdiskriminierende Sprache achten und so zu einer vorurteilsfreien Gesellschaft beitragen. Die eigene Sprache und die Ablehnung diskriminierender Begriffe sind keine Nebensächlichkeiten, sondern sehr zentral. Da mit Sprache und Begriffen immer auch Bilder, bestimmte (reduzierte) Vorstellungen und abwertende Sichtweisen verbunden sind, ist es wichtig, diese nicht durch aktives Sprechen und Schreiben weiter zu verfestigen und im Alltagssprachgebrauch zu belassen. Sprache und Begriffe können direkt diskriminierende Handlungen sein (verletzende Äußerungen), tragen aktiv zu solchen bei oder bilden die Grundlage für diskriminierende Denkmuster. Eine nichtdiskriminierende Sprache tritt solchen Denkmustern entgegen und trägt auf sprachlicher Ebene positiv zur Entwicklung hin zu einer vorurteilsfreien Gesellschaft bei.
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